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„Dafür sind wir nicht zuständig." Der Satz, der Kundenbeziehungen tötet

  • chheinze9
  • 10. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Es gibt Sätze im Vertrieb, die klingen vernünftig, sind es aber nicht.

„Darum kümmert sich der Service. Sie haben keine Zeit. Sie müssen verkaufen."

Ich höre diesen Satz regelmäßig. In Gesprächen mit Vertriebsleitern, in Workshops, in Unternehmen, die stolz darauf sind, klare Prozesse zu haben. Ich verstehe die Logik. Arbeitsteilung. Spezialisierung. Effizienz. Der Verkäufer soll verkaufen, der Service soll servicen, und alle bleiben in ihrer Spur.

Formal ist das richtig.

Aus Sicht des Kunden ist es ein Fehler.

Was der Kunde erlebt, während Sie Prozesse optimieren

Stellen wir uns kurz vor, Sie sind Kunde. Nicht abstrakt – konkret.

Sie haben vor zwei Jahren eine Anlage gekauft. Die Inbetriebnahme war holprig, aber man hat sich gekümmert. Ihr Vertriebsbeauftragter hat damals persönlich nachgehakt, bis alles lief. Seitdem läuft die Zusammenarbeit. Sie kennen den Mann. Sie schätzen ihn. Manchmal trinken Sie zusammen Kaffee, wenn er auf Besuch kommt.

Jetzt gibt es ein Problem. Die Montage eines Erweiterungsmoduls klappt nicht. Sie rufen an – bei wem? Bei Ihrem Ansprechpartner. Bei dem Menschen, dem Sie vertrauen. Bei dem, der das letzte Mal geliefert hat.

Und was hören Sie?

„Da müssten Sie eigentlich ein Ticket aufmachen. Das ist Sache des Service."

Schön.

Was passiert in diesem Moment im Kopf des Kunden? Er denkt nicht: „Ah, das leuchtet mir ein, klare Zuständigkeiten sind wichtig für reibungslose Abläufe." Er denkt: „Der Typ, dem ich vertraue, schiebt mich weiter."

Das ist der Moment, in dem Vertrauen anfängt zu bröckeln. Nicht mit einem Knall. Leise. Scheibchenweise.

Das Ticket-Problem: Technisch gelöst, menschlich verloren

Das Ticketsystem ist kein schlechtes Werkzeug. Es hilft, Anfragen zu strukturieren, Bearbeitungszeiten zu messen, Verantwortlichkeiten zu dokumentieren. Kein vernünftiger Mensch streitet das ab.

Aber hier liegt das Missverständnis: Das Ticket ist ein internes Hilfsmittel. Für den Kunden ist es eine Mauer.

Er soll ein Formular ausfüllen. Sein Problem in Kategorien einordnen. Warten, bis sich jemand – irgendjemand – meldet. Ohne zu wissen wann. Ohne zu wissen wer.

Und das nach Jahren der Beziehung zu einem konkreten Menschen.

Der Kunde macht das Ticket auf. Vielleicht. Wenn er keinen anderen Anbieter gefunden hat, solange er aufs Formular gestarrt hat.

Der Kunde bewertet kein Organigramm

Der Kunde kauft nicht bei einer Abteilung. Er kauft bei einem Unternehmen.

Er interessiert sich nicht dafür, ob die Reklamation technisch in den Zuständigkeitsbereich des After-Sales-Teams fällt oder ob der Vertrieb laut Prozesshandbuch nach dem Abschluss aus dem Vorgang herausrotiert. Das ist Ihr internes Problem. Sein Problem ist, dass die Montage nicht funktioniert und sich niemand verantwortlich fühlt.

Er bewertet das Gesamterlebnis. Und dieses Erlebnis entsteht nicht beim Kauf – es entsteht vor allem dann, wenn etwas schiefläuft.

Wer in diesem Moment da ist, baut Vertrauen auf. Wer weiterverweist, baut es ab. So einfach ist das.

Die besten Verkäufer, die ich kenne, sind Anwälte

Ich habe in meiner Arbeit viele Verkäufer kennengelernt. Gute, sehr gute, und solche, die hauptsächlich gut darin waren, sich selbst zu verkaufen.

Die wirklich guten hatten eine Eigenschaft, die in keiner Stellenbeschreibung stand: Sie haben sich gekümmert. Auch wenn es nicht ihre Aufgabe war.

Wenn ein Kunde ein Problem hatte, haben sie es nicht weitergegeben und abgehakt. Sie haben intern nachgehakt. Druck gemacht – freundlich, aber bestimmt. Sie haben sichergestellt, dass eine Antwort zurückkommt. Und wenn die zu lang ausblieb, haben sie das dem Kunden gesagt, bevor der Kunde fragen musste.

Man könnte das als naiv bezeichnen. „Das kostet doch Zeit, die für neue Abschlüsse fehlt."

Stimmt. Und trotzdem hatten genau diese Verkäufer die längsten Kundenbeziehungen, die stabilsten Umsätze und die wenigsten Abwanderungen. Zufälle gibt es im Vertrieb selten.

Die Diagnose in einer Übung

Zählen Sie eine Woche lang mit, wie oft intern der Satz fällt:

„Dafür sind wir nicht zuständig."

Nicht als Anklage. Nur als Messung. In Meetings, in E-Mails, in Gesprächen zwischen Abteilungen.

Das Ergebnis sagt Ihnen mehr über den Zustand Ihrer Kundenbeziehungen als jede NPS-Umfrage.

Was das mit Vertriebssteuerung zu tun hat

Viele Unternehmen messen Vertriebsleistung an Abschlüssen. Neue Kunden, Umsatz, Deckungsbeitrag. Verständlich – aber das bildet nur einen Teil der Realität ab.

Was nicht gemessen wird, wird nicht gesteuert. Was nicht gesteuert wird, bleibt dem Zufall überlassen.

Wenn Verkäufer nicht dafür incentiviert werden, Kundenbeziehungen langfristig zu pflegen und im Krisenmoment präsent zu sein, dann tun sie es nicht. Sie konzentrieren sich auf das, woran sie gemessen werden. Das ist kein moralisches Versagen – das ist das System, das die Führung gebaut hat.

Wer also möchte, dass Vertrieb Verantwortung übernimmt, muss sich fragen, ob die eigene Steuerung das gerade belohnt oder still bestraft.

Fazit

Unternehmen, in denen alle ihre Zuständigkeiten kennen und nichts darüber hinaus tun, verlieren Kunden. Nicht sofort. Aber sie verlieren sie.

Der Verkäufer muss das Problem nicht selbst lösen. Aber er muss dafür sorgen, dass es gelöst wird. Das ist keine Frage von Nettigkeit – das ist der Job.

Wer das nicht versteht, verkauft vielleicht gut. Binden wird er keine Kunden.

Sie möchten wissen, wie das in Ihrem Vertrieb konkret aussieht? Sprechen Sie mich an.

 
 
 

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